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Der Schulderlass durch Glauben

 

Die Geschichte von der Ehebrecherin im Johannesevangelium (Joh 7,53 - 8,11) ist bahnbrechend für den Umgang mit Menschen, die Fehler gemacht haben, Schuld auf sich geladen haben und ernsthaft bereuen. Wir sind immer schnell dabei, auf andere mit den Fingern zu zeigen, sie zu verurteilten, oft sogar vorzuverurteilen und abzustempeln.

 

Im Vier-Augen-Gespräch mit der Frau sieht Jesus wertschätzend und achtsam auf den Menschen, der "dahinter" steckt. Er sieht, wer wir wirklich sind. Hinhören, verstehen und offen sein für neue Perspektiven für das Leben dessen, der kommt und sich dir anvertraut, das ist der Dienst des Priesters, wenn es um das Sakrament der Buße und Versöhnung geht.

Der Priester verwaltet den Schulderlass durch Glauben. "Hat dich keiner verurteilt?", fragt Jesus. "Auch ich verurteile dich nicht!" Das ist entscheidend. Nicht wir als Menschen haben das Recht, einen anderen zu verurteilen. Wir haben überhaupt nicht das Recht, Richter zu sein über andere (vgl. Mt 7,1 / 1 Kor 4,5). Im Gegenteil: Nur EINER ist Richter, Gott selbst (Ps 7,12), ein gerechter zumal.

 

Unser Auftrag ist einander zu vergeben: "Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus!" (Eph 4,32). Doch manches graviert sich in unsere Seele ein, das lässt sich nicht einfach durch einen Handschlag oder eine Umarmung "auslöschen". Obwohl Christus für alle die Sünden getragen und unseren Schuldschein ans Kreuz geheftet hat (Kol 2,14), so braucht es die Zusage für den Neuanfang. "Es ist wieder gut!" - das sagen Eltern ihren Kindern. Das ist die Aufgabe des Priesters gegenüber dem Sünder. Der Dienst am Menschen ist, dass wir ihm helfen, ein neues Leben zu führen, das "alte" loszulassen. Den Sünder müssen wir immer lieben, aus Barmherzigkeit. Die Sünde selbst dürfen wir alle hassen. Zwischen Person und Tat wird hier unterschieden. Deshalb kann Jesus die Frau nicht verurteilen, sondern entlässt sie und sagt ihr wegweisend: "Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!" (Joh 8,11). Diese Einladung gilt für uns alle! Gott nimmt uns in die Arme als sein geliebtes Kind. (pj)