I K O N E N   - Fenster des Glaubens


Maria - Mutter mit dem Jesuskind

 

Der Marienpredigtzyklus im Mai wurde begleitet vom Schreiben dieser Marien-Ikone, die pünktlich am heutigen Sonntag, 29. Mai vollendet wurde. So viele einzelne Schritte sind notwendig, doch am Ende ist die Freude über jene Maria mit dem Kind, die den Betrachter anblickt.

 

Güter Gott, allmächtiger Vater!

Durch Maria hast du der Welt deinen Sohn geschenkt,

unseren Herrn und Erlöser, Jesus Christus.

Dein Segen sei über dieser Ikone und über allen, die sie betrachten und berühren!

Amen.

 


Eine Ikone entsteht

 

Die unten in mehreren Fotos präsentierte Maria als "mater eleousa" (zärtliche, barmherzige Mutter) ist eine der schönsten Ikonendarstellungen. In diesem Jahr habe ich für den Konvent der Barmherzigen Schwestern in Linz-Elmberg diese Ikone gemalt / geschrieben.

Am 4. November 2015 haben wir sie im Rahmen der Abendvesper gesegnet.

Die dargestellten Schritte stellen nur in Verkürzung die vielen Einzelschritte einer Ikonenherstellung dar. Die Farben sind Farbpigmente (Eitempera-Farben) mit Alkohol und Eigelb vermischt, verdünnt mit Wasser, manche nehmen auch etwas Essig, auf ein Holzbrett mit spezieller Oberfläche (Malkreidegrund) aufgemalt.

 

Zur Zeit arbeite ich an einer Maria Magdalena. Man versucht die Ikone so exakt wie möglich zu kopieren und dennoch bleibt auch etwas Freiraum, z.B. in der Farbwahl (dunkleres Blau, dunkleres Rot). Das Gesicht kommt immer erst ganz am Ende. Es haucht der Ikone das Leben ein. Die Beschriftung bildet dann den Abschluss. Dadurch wird eine Ikone "bezeichnet". Nie verehrt man das Bild an sich (als Gegenstand), sondern immer die Person, die dargestellt ist. pjm

 



Maria mit der Spindel

 

Sie ist eine der ganz seltenen Darstellungen in der Ikonenmalerei. Darum habe ich mich dieses Motives angenommen. 

 

Versonnen sitzt Maria auf ihrem Thron und spinnt mit zarter Hand den Faden. Auf ihrem Schoss etwas Wolle, ein Faden führt nach oben zur linken Hand, dort rollt sie den daraus gesponnenen Faden als Garn auf eine kleine Rolle.  Marias Blick ist konzentriert, doch es scheint, als betrachte sie den Bildbetrachter.

Die Vorstellung von der Jungfrau Maria, die den Faden des Lebens spinnt, hat Vorbilder. Etwa in den antiken Mythen, in denen die Schicksalsgöttinnen den Lebensfaden in den Händen halten. In der christlichen Ikonographie findet sich Maria mit der Spindel bereits ab dem 5. Jahrhundert in der byzantinischen Kunst als Bild der Verkündigung. Die Vorlage dazu entstammt den Apokryphen.

Die Darstellung der Maria am Spinnrocken oder mit einer Spindel beruht auf dem Protoevangelium des Jakobus 10,3-12,1: Die Hohepriester wünschen einen neuen Vorhang für das Allerheiligste im Tempel des Herrn. Sie erinnern sich an Maria, die sie in die Obhut Josephs gegeben hatten und die zu den acht vor Gott reinen Jungfrauen aus dem Hause Davids zählt. Sie wird aus Josephs Haus geholt, zieht per Los die edlen Farben Purpur und Scharlachrot und spinnt sie zu Garn für den kostbaren Vorhang.

Auf diesem Geschehen fußt nicht nur das Motiv der Maria mit Spindel, sondern auch die Szene, in der Maria ihre Arbeit unterbricht, um am Brunnen Wasser zu schöpfen.

 

Dort hört sie zum ersten Mal die Stimme des Engels der Verkündigung. Bei den Verkündigungsszenen sucht der Engel Gabriel Maria oft in einer Wohnstube oder einem Schlafgemach mit Baldachinbett auf. In der Theologie wird die Verkündigung mit dem Moment der Empfängnis gleichgesetzt. Daher ist häufig die weiße Taube als Symbol des Heiligen Geistes zu sehen oder das Jesuskind, das auf einem himmlischen Lichtstrahl zu Maria gleitet.

 

In unserem Falle fehlen Lichtstrahl und Taube, dafür finden wir die drei Sterne (Kopf und rechte / linke Schulter), die auf die Hl. Dreifaltigkeit hinweisen. pjm