Christus-Ikonen


Christus Pantokrator

 

Meine erste Ikone, die unter Anleitung von Br. Ansgar im Kloster Nütschau in diesem Jahr entstanden ist.

 

Der gütige Blick, die Segensgeste und das Buch des Lebens zeichnen Christus als "Pantokrator", als All-Herrscher aus.

 

Christus ist für mich in dieser Darstellung der Magister Vitae, der Meister des Lebens.

 

 

Da sah er ihn an...

 

Betrachten wir seinen Blick näher. Er fixiert unseren Blick, sieht uns an, weicht dem Augenblick der gegenseitigen Wahrnehmung und Achtsamkeit nicht aus.

 

Christus sieht die Menschen an, zweimal hören wir im Evangelium davon, dass er z.B. Petrus ansah (Lk 22,61-62) und jener ging weinend weg. Oder er sieht den reichen jungen Mann an und "gewann ihn lieb" (Mk 10,21).

 

Der Blick Jesu verändert uns - daher ist das Meditieren vor einer Christusikone immer auch der Eintritt in den ganz persönlichen Kontakt zu Jesus selbst. Der Pfarrer von Ars sagte es einmal so: "ER sieht mich an und ich sehe IHN an!"



Christus - der leidende Gottesknecht (Schmerzensmann)

 

Die Bibel stellt uns in mehreren Textstellen des Alten  den sog. "Leidenden Gottesknecht" vor Augen, im Neuen Testament wird diese Person mit Jesus Christus identifiziert. Dabei zitieren die Verfasser immer wieder den Propheten Jesaja im 53. Kapitel. Der Evangelist Markus: "Er werde viel leiden müssen und verachtet werden" (Mk 9,12). Er bezieht sich dabei auf Jes 53,3: "Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut".

 

Jesajas Text wird an Karfreitag gelesen, in die Stille der Kirche hinein, die sich zur Todesstunde Jesu versammelt:

 

"Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. (...) Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf." (Jes 53,4-5.7).

 

Doch Jesaja endet mit der Perspektive, die wir Auferstehung nennen: "Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich." (Jes 53,11).

 

Die Ikone ist in zwei Zeitdimensionen dargestellt. Im Vordergrund der leidende Gottesknecht. Christus ist von den Soldaten verspottet wurden. Man hat ihn seiner Kleider beraubt und ihm einen purpurnen Umhang umgelegt, als "König der Juden". Den dünnen Regentenstab hält er kaum richtig in Händen, die Dornenkrone ist um seinen Kopf gespannt. Es ist Nacht, Zeitpunkt des Todes. Wie mag es ihm, dem Verurteilten in der Nacht vor seinem Leiden und Sterben ergangen sein. In Jerusalem werden mehrere Orte als Gefängnis Jesu betrachtet. Man wird an diesen Orten nachdenklich: Welch große Einsamkeit für einen, der auf seine Hinrichtung wartet.

 

Die zweite Zeitdimension ist im oberen Bildteil. Der Hügel Golgotha ist hoch erhoben, als höchster Punkt über Jerusalem. Ein Steinbruch nur, außerhalb der Stadt, in dem man den "Eckstein" verworfen hat, weil man ihn ablehnte, er passte nicht in das Konzept. Am Horizont die drei Kreuze und die unergehende Sonne. Der Tod erwartet ihn - unabänderlich.

 


Christus - der Auferstandene 

 

In allen vier Evangelien, bei Paulus und in der Apostelgeschichte finden wir die Zeugnisse über die Auferstehung Jesu. Den ältesten Bericht lesen wir bei Markus im 16. Kapitel. In der Frühe des Morgens, "als eben die Sonne aufging" (Mk 16,2) kommen die Frauen zum Grab, wollen den Leichnam Jesu mit kostbarem Öl salben. Doch der Stein ist weggerollt, das Grab ist leer. Ein Engel erschrickt sie mit der Botschaft: "Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier." (Mk 16,6).

 

Diese Botschaft hat die Welt aus den Angeln gehoben. Der Tod hat in unserem Leben nicht mehr das letzte Wort, zu Recht ruft Paulus dem Tod zu: "Wo ist dein Stachel, wo ist dein Sieg?" Von nun an gilt, dass - wer an Christus glaubt - nicht mehr stirbt, sondern Leben hat in Fülle, Ewiges Leben.

 

Gewiss: Das leere Grab gilt in der biblischen Theologie nicht als Beweis für die Auferstehung. Das wussten auch die ersten Christen. Sie wurden verdächtigt, den Leichnam Jesu "weggebracht" zu haben. Doch das Ereignis hat die Jüngerinnen und Jünger Jesu verändert. Warum sollten sie sonst mit einem Märchen durch die Welt reisen und Kopf und Kragen riskieren bzw. tatsächlich dafür sterben?

 

Jesu Auferstehung in das Leben hinein berührt eine andere Dimension unseres Daseins und macht uns deutlich: Unser irdisches Leben ist der Weg zu Gott.

 

Die Ikone zeigt zwei Zeitfenster. Das erste Zeitfenster - weiter oben, und damit zeitlich zurückliegend - das leere Grab in einer zerklüfteten Felslandschaft. Denn, wenn Jesus auf Golgotha, einem Steinbruch am Rande der Stadt Jerusalem gekreuzigt wurde und nur unweit davon in ein Felsengrab gelegt wurde, dann lagen Todesort und Grablegung nicht weit voneinander entfernt. Der Stein ist weggrollt, das Leinentuch ist sichtbar.Die Sonne geht gerade auf und überstrahlt die dunkle Nacht.

 

In der zweiten zeitlichen Dimension tritt uns der Auferstandene entgegen in einem weißen Gewand. Er tritt aus der Grabhöhle heraus und zeigt uns seine Hände als Beweis - der Apostel Thomas ist es schließlich, der kritisch anmerkt, dass er ohne diese Beweise nicht glauben könne... Bis heute ist diese Handhaltung (Orante-Haltung) die Gebetsgeste im Judentum. Christus zeigt seine Verwundbarkeit, die Brüchigkeit seines Lebens, sein Scheitern. Er hält sie uns hin, er hält sie Gott hin.

 


Christus - der "Gute Hirte"

 

"Ich bin der Gute Hirte!" sagt Jesus nicht nur einmal im Evangelium. Er lehnt sich mit seiner "ego-eimi" ("Ich bin...") Aussage an die alttestamentliche "Ich bin der Ich bin da" Offenbarung an. Die "Ich bin..."-Worte Jesu wollen etwas über sein Wesen in Beziehung zu uns Menschen aussagen. Christus ist der gute Hirte.

 

113mal fällt im Alten und Neuen Testament das Wort vom Hirten. Fast alle Propheten beschreiben Gott als den Hirten. Das Bild vom Hirten, der sich um seine Schafe kümmert, ist kein romantisch-nostalgisches Bild, das in die Kitschecke gehört. Bis heute hat es Gültigkeit.

 

"Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, "die Mutterschafe führt er behutsam", so formuliert es Jesaja (40,11). "Er, der Israel zerstreut hat, wird es auch sammeln und hüten wie ein Hirt seine Herde", bringt es Jeremia (31,10) auf den Punkt.

 

Bei Ezechiel ist es fast ein ganzes Kapitel, das der Hirtentheologie gewidmet ist (Ez 34): "Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben. Ich führe sie aus den Völkern heraus, ich hole sie aus den Ländern zusammen und bringe sie in ihr Land. Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide, in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes. Auf gute Weide will ich sie führen, im Bergland Israels werden ihre Weideplätze sein. Dort sollen sie auf guten Weideplätzen lagern, auf den Bergen Israels sollen sie fette Weide finden. Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen - Spruch Gottes, des Herrn. Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.Ihr aber, meine Herde - so spricht Gott, der Herr -, ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken. War es euch nicht genug, auf der besten Weide zu weiden? Musstet ihr auch noch euer übriges Weideland mit euren Füßen zertrampeln? War es euch nicht genug, das klare Wasser zu trinken? Musstet ihr den Rest des Wassers mit euren Füßen verschmutzen? Meine Schafe mussten abweiden, was eure Füße zertrampelt hatten, und trinken, was eure Füße verschmutzt hatten. Darum - so spricht Gott, der Herr, zu euch: Ich selbst sorge für Recht zwischen den fetten und den mageren Schafen. Weil ihr mit eurem breiten Körper und eurer Schulter alle schwachen Tiere zur Seite gedrängt und weil ihr sie mit euren Hörnern weggestoßen habt, bis ihr sie weggetrieben hattet, deshalb will ich meinen Schafen zu Hilfe kommen. Sie sollen nicht länger eure Beute sein; denn ich werde für Recht sorgen zwischen Schafen und Schafen. Ich setze für sie einen einzigen Hirten ein, der sie auf die Weide führt, meinen Knecht David. Er wird sie weiden und er wird ihr Hirt sein. Ich selbst, der Herr, werde ihr Gott sein und mein Knecht David wird in ihrer Mitte der Fürst sein. Ich, der Herr, habe gesprochen." (Ez 34,11-23).

 

Natürlich darf Psalm 23 nicht unerwähnt bleiben, jener Psalm, den viele auswenig können: "Der Herr ist mein Hirte" - ein Gebet, das gerade nach der Krise und der Brüchigkeit des Lebens in Psalm 22 den Weg zu Gott ebnet.

 

Das Neue Testament hat mit Joh 10,11 die eindeutige Christus-Bezogenheit ins Wort gebracht: "Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe."  Zentrale Motive der Hirtentätigkeit sind immer das SAMMELN, das LEITEN, das PFLEGEN, das SÄTTIGEN. Dabei beschreibt die Verlorenheit ("verirrt sein") der Schafe den Ausgangspunkt. Christus lässt lieber 99 Schafe zurück, um das eine, das verlorene Schaf zu finden (vgl. Lk 15,1-10).